Neustadt, 25. Juni 2018

Mit Erasmus+ in Spanien

Ein Erfahrungsbericht über Ausbildung und Beruf von Kindheitspädagoginnen in Málaga

Málaga - 14. - 21. April 2018

Im April 2018 haben eine Erzieherin in einer bilingualen Kindertagesstätte in Garbsen, und Friedhelm Dobben, Fachlehrer an den Berufsbildenden Schulen Neustadt a. Rbge., an einer Maßnahme der Europäischen Union teilgenommen.

Das „ERASMUS +" Programm dient der Erweiterung der Erfahrungen in der beruflichen Bildung. In diesem Fall war der Auftrag, das Berufsbild spanischer Kindheitspädagoginnen kennen zu lernen, Ausbildungsphasen, Unterrichtsinhalte und berufliche Werdegänge zu vergleichen sowie Kenntnisse über Land und Leute zu erwerben.

Im spanischen Málaga hatte Elena Serrano, Lehrkraft für frühkindliche Bildung und Erziehung an der IES Mayorazgo, der Partnerschule, den einwöchigen Besuch vorbereitet. Bei der Durchführung und Begleitung des Aufenthaltes wurde sie tatkräftig von ihren Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen der Schule unterstützt.

Die Besichtigung der Partnerschule und Hospitationen in unterschiedlichen bilingualen (spanisch/englisch) Kindertagesstätten standen ebenso auf dem Programm, wie ergänzende kulturelle Angebote. Auf viele Fragen wurden übrigens überraschende Antworten gefunden. Von den wesentlichen Beobachtungen und Eindrücken soll hier berichtet werden.

Überraschung Nr. 1: Kinder in Spanien werden nicht altersgemischt, sondern nach Altersstufen getrennt betreut. Dabei ist jeweils eine Fachkraft - wie in der Schule - für eine Gruppe verantwortlich. Dies bedeutet für die Altersgruppen, dass für acht Kinder unter einem Jahr eine Fachkraft verantwortlich ist. In der Altersgruppe der Ein- bis Zweijährigen werden bis zu 13 Kinder und im Alter von zwei bis drei Jahren bis zu 20 Kinder von einer Fachkraft betreut. Ab drei Jahren beträgt die Gruppengröße bis zu 25 Kinder pro Fachkraft.

Neben diesen offensichtlichen Unterschieden konnten bei den Hospitationen weitere Unterschiede beobachtet werden.

In der Plantero Green School, eine der besuchten Kindertagesstätten, werden drei Gruppen betreut. Für die Beobachtung der einzelnen Gruppen standen jeweils ca. 30 Minuten zur Verfügung. Bei den Dreijährigen fand während der Beobachtungszeit der Morgenkreis statt. In englischer Sprache wurde ein Lied gesungen: „How is the weather today?" Die dreijährige Isabella durfte an diesem Tag die Frage klären. Dazu bekam sie ein selbst gebasteltes Fernglas (zwei zusammengeklebte Pappröhren) umgehängt, eilte damit zum Fenster, prüfte mit ihrem Fernglas die Gegebenheiten und eilte wieder zurück. Die Erzieherin hatte in der Zwischenzeit Karten mit unterschiedlichen Wettersymbolen vorbereitet. „Is it cloudy today?" (Wolkenbild) „No!" How is the weather today? Isabella blickte auf die Karten und entschied sich für die strahlende Sonne: „Sunny!" Isabella präsentierte allen Kindern im Kreis die strahlende Sonne und gemeinsam wurde die aktuelle Wetterlage besungen.

Zweite zu beobachtende Gruppe waren die Vierjährigen.
Hier fand eine Projektpräsentation statt. Thema: „Mein Lieblingsgericht".
Auf einer großen Leinwand sah man einen Jungen mit Kochmütze und Schürze in einer Küche und auf dem Küchentisch lagen verschiedene Lebensmittel. Der vierjährige Koch schaute in die Kamera und erklärte, wie aus diesen Zutaten sein Lieblingsgericht entstehen würde. Es folgten weitere Kinderköche, die ihre Lieblingsgerichte vorstellten.

Entstanden war die Kochshow, indem die Kinder nacheinander Kochmütze, Kochschürze und einen USB-Stick mit nach Hause genommen hatten und dort mit ihren Eltern die kurzen Videos über das jeweilige Lieblingsgericht erstellten. Ein Projekt, das anschaulich Bildungs- und Elternarbeit vereint.

In der dritten Gruppe wurde mit den Fünfjährigen ein Theaterstück zur Verabschiedung im Sommer eingeübt. Einfache Szenen eines Kinderfilms wurden verlesen und von den Kindern in kleine Handlungen und kurze Texte verwandelt.

Anschließend gab es für die Gäste Frühstück und Zeit, die ersten Eindrücke zu diskutieren: Vor- und Nachteile der Erziehung in altersgemischten und altershomogenen Gruppen, den Betreuungsschlüssel, konzeptionelle Ansätze und Formen sowie Inhalte der Bildungsarbeit.

Der Bildungsanspruch steht in dieser Altersgruppe klar im Vordergrund und der Tagesablauf wirkt entsprechend „verschult". Die Tätigkeit der Fachkräfte entspricht aus diesem Grund auch deutlich mehr der einer Bildungsbegleiterin und Lehrerin. Dies spiegelt sich auch in den Ausbildungsvoraussetzungen wieder, da die Kindheitspädagoginnen in diesem Arbeitsbereich ein abgeschlossenes Studium benötigen.

Für die Betreuung der Null- bis Dreijährigen gibt es andere berufliche Voraussetzungen. Diese Fachkräfte werden an der IES Mayorazgo, ausgebildet. Die Unterrichtsinhalte und der Berufsabschluss sind vergleichbar mit der Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin.

Das Tätigkeitsfeld dieser Fachkräfte konnte unter anderem in der Nova School, einer Krippe für Kinder bis zum Alter von drei Jahren, erkundet werden.

Schon im Eingangsbereich fiel den Besuchern die situationsorientierte Ausrichtung der Einrichtung ins Auge: roter Teppich, Kinderfilmplakate, eine aus Pappe gebastelte Kamera - denn draußen in der Stadt fand zu dieser Zeit ein internationales Filmfest statt - und genau das wurde hier schon mit den Kleinsten situationsorientiert aufgegriffen.

Für die bilinguale Arbeit ist eine zusätzliche Kraft verantwortlich, die täglich die Gruppe wechselt und unterschiedliche Aktivitäten in englischer Sprache anbietet. Eine davon war, „We are painting with our feet". Dabei entstanden bunte Fußabdrücke auf einer mehrere Meter langen Tapetenbahn, die später den Treppenaufgang verzierte. Der Besuch der Nova School war eine weitere eindrucksvolle Hospitation, die erneut Anlass für Diskussion und Austausch bot.

Bleiben noch die Eindrücke von Land und Leuten: Zu Fuß und mit einer geführten Fahrradtour wurde die Stadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Museen, Gassen, Plätzen und Stränden erkundet. Und wie beim fachlichen Austausch, gab es auch hier weitere überraschende Ein- und Ansichten zu entdecken. Ein rundum exzellentes Programm. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen.

Lehrerinnen und Lehrer, die unsere ERASMUS-Partnerschaften in ihrem Bereich fördern möchten sowie Schülerinnen und Schüler, die an einem ERASMUS-Aufenthalt während ihrer Berufsausbildung interessiert sind, melden sich bitte bei Herrn Schulze ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ).